Körperwahrnehmung Teil 1

 

Dieser Artikel ist eine deutsche Übersetzung  eines  Blogeintrages des ChiRunning Gründers Danny Dreyer zum Thema Body Sensing Der Originalartikel ist auf ChiRunning.com nachzulesen.

 

Körperwahrnehmung

Von all den Themen, über die ich in diesen Newsletter Beiträgen geschrieben habe, ist dieses Thema die wichtigste Basis für das Chi Walking. Es ist so ein großes Thema, daß man ein eigenes Buch nur über Körperwahrnehmung schreiben könnte. Hier also ein erster Entwurf.

Skeleton1380377_99490838Ich nehme mal an, dass du während du diese Zeilen liest, im Moment einen Körper besitzt. Ziemlich alle die ich kenne, haben einen. Fakt ist, es ist eine Grundvorraussetzung, um auf diesem Planeten bzw. auf dieser Ebene der Existenz zu existieren. Es ist eine Bedingung um am Leben teilzunehmen. Und da er unser Hauptvehikel ist, um das Leben zu erfahren, sollte man annehmen, dass wir der Pflege und Instandhaltung unseres Körpers eine ziemlich hohe Priorität beimessen würden. Doch manchmal sieht es so aus, als ob wir uns besser um unser Auto, als um unseren Körper kümmern würden. Ich glaube nicht, dass es daran liegt, dass wir unser Auto so sehr mögen. Ich denke, dass wir entweder unbewusst sind oder den Kontakt dazu verloren haben, was für eine große Verantwortung es ist, so etwas zu besitzen, was wir Körper nennen.

Wir lesen jeden Tag über Menschen, die erstaunliche Dinge in ihrem Körper vollbringen, es reicht vom Besteigen des Mount Everest ohne Sauerstoff über einen von diesen 3 Tages Wohltätigkeitsmärschen bis zur Geburt eines Babys. Wir wissen auch Bescheid über den Missbrauch im täglichen Leben, den Menschen an sich selbst ausüben, 60 Stunden in der Woche zu arbeiten, sich schlecht zu ernähren, kaum Bewegung. Vielleicht hast du in den letzten Jahren (oder Jahrzehnten) soviel Zeit damit verbracht, für deine Familie zu sorgen, Essen auf den Tisch gebracht, dafür gesorgt, dass deine Kinder gute Noten bekommen haben und sie gesund sind, dass du manchmal nicht mal mehr weißt, wie müde du eigentlich bist! Worauf ich hier hinaus will ist, das wir alle lernen müssen, wie Wichtig es ist, uns gut um uns selbst zu kümmern. Und man beginnt im täglichen Leben zu lernen, wie man wahrnimmt, welchen Effekt das tägliche Leben auf deinen Körper hat und ob das, was du tust, gesund oder ungesund ist. Lang und Kurzfristig.

Zum Beispiel kann dir eine Magenverstimmung folgendes sagen:

  • Du hast das Essen nicht vertragen,
  • oder das du nicht gut genug gekaut hast,
  • oder das du dir zu viele Sorgen machst
  • oder das du hungrig bist,
  • oder das dein Gürtel zu eng ist
  • oder das du nach dem Essen zu schnell Sport treibst

Die Form Fokusse im Chi Walking bieten eine tolle Möglichkeit, um bewusst die Kunst, dem Körper zuzuhören, zu üben. Das nenne wir Körperwahrnehmung. Dein Körper hat dir eine Menge mitzuteilen und um so mehr du jetzt zuhörst, umso weniger wird er dich später in Form von Verletzung, Krankheit oder Fehlfunktionen anschreien. Wenn etwas mit deinem Körper nicht stimmt, dann schuldest du es dir selbst, herauszufinden was du falsch machst und die notwendigen Veränderungen durchzuführen.

Bevor wir beginnen, müssen wir einige Kommunikationskanäle zwischen unserem Verstand und unserem Körper öffnen. Atanmoy1349598_74965855Denke über die beiden, als ob sie in einer Partnerschaft wären. Unsere Körper reden ständig mit uns. Mein Fuß juckt, meine Schultern sind steif, ich bin hungrig, dieses Kissen ist unbequem. Das sind nur einige wenige Beispiele von wörtlich tausenden von Botschaften, die uns unser Körper täglich schickt und bis zu einem gewissen Grad reagieren wir auf sie. Wir kratzen unseren Fuß, Strecken unseren Nacken, nehmen einen Imbiss zu uns oder machen es uns bequem. Wir reagieren auf die Bedürfnisse unseres Körpers, oftmals jedoch anteilnahmslos, weil wir zu beschäftigt mit etwas Anderem sind, und wir hören gar nicht richtig zu. (das mag sich jetzt vielleicht so anhören wie eine Unterhaltung mit deinem Ehepartner!) Wir möchten lernen achtsam zu sein und wirklich auf das zu hören, was uns unser Körper zu sagen hat und dann auch entsprechend zu handeln. Natürlich gibt es nicht viel zu tun, um den Hunger auf Dauer zu beseitigen, doch die Botschaft von unseren verspannten Schultern mag eventuell länger verstummen, wenn wir unseren Bürostuhl so einstellen, dass wir bequemer vom Monitor lesen können.

Es muss irgendwo diese Regel geben „Bevor du wissen kannst, was zu tun ist, musst du erstmal wissen, was vor sich geht. Du musst also erstmal in der Lage sein, in deinem Körper zu spüren, was vor sich geht, bevor du irgendwelche Veränderungen oder Korrekturen durchführen kannst. Es fängt alles mit einfachem Beobachten an, du beobachtest dich. In den Chi Walking und Chi Running Kursen wird dir gezeigt, wie sich eine gute Haltung des Körpers anfühlen kann, wie sich das Lehnen anfühlt, oder wie sich zügiges Tempo anfühlt. Alle diese kleine Fokusse helfen dir zu beobachten und gewahr zu werden, was dein Körper macht, egal ob richtig oder falsch. Sie sind auch dazu da, um dich zu lehren, deinen Körper so zu dirigieren, das er sich flüssiger und effektiver bewegt.

Der erste Schritt in der Körperwahrnehmung ist, zu lernen einfach deinen Körper zuzuhören, egal ob du gehst, im Auto fährst, oder während du still sitzt und diesen Artikel liest. Beurteile nichts von dem was du spürst und denke auch noch nicht an irgendwelche Korrekturen, sondern sammle nur Informationen und mache dir Notizen im Kopf. Das wird das Thema des Artikels Körperwahrnehmung Zweiter Teil sein. Im Moment lernst du nur zuzuhören und dich zu beobachten.

Hier gibt es eine Übung die du beim Gehen durchführen kannst, um deine Körperwahrnehmung zu schulen. Ich nenne es den „Körperscan“. Denke daran, dies ist nur der erste Schritt und nur eine Übung darin deinen Körper zu beobachten. Es ist noch nicht notwendig, irgendwelche Veränderungen zu machen, schaue nur zu,

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas nächste Mal wenn du spazieren gehst, dann mache folgendes: Nachdem du aufgewärmt bist und deinen Rhythmus gefunden hast, beginne mit deinem Fokus an der Spitze deines Kopfes und scanne dich langsam vom Kopf bis zu den Zehen, beobachte – nur beobachten- alle Eindrücke auf deiner Reise. Richte deine Aufmerksamkeit auf einen Körperteil zur Zeit und mache dir mentale Notizen von deinen Fundstücken. Beginne vom Kopf zum Nacken, dann Schultern, Arme, Brust, Bauch, unterer Rücken, Becken, Hüften, Oberschenkel, Knie, Unterschenkel, Sprunggelenke und zum Abschluss Füße und Zehen. Es ist hilfreich diesen „Körperscan“ einmal pro Spaziergang zu machen und es ist noch besser, wenn du es öfter tun kannst.

Hier einige Fragen die du dir selber stellen kannst:

Spüre ich dort Anspannung? Entspannung? Schwer, Leicht, Weich, Offen – Weisst du was ich meine? Beobachte einfach und schaue welche Beschreibung passt. Noch ein Tip: Umso mehr du zuschaust, umso mehr wirst du sehen. All diese Beobachtungen werden dir eine tolle Datenbank bescheren, nach der du mit der korrekten Handlung antworten kannst.

Nachdem du deinen Scan abgeschlossen hast, schaue dir den Bereich in deinem Gehen an, der dir die meisten Probleme bereitet. Gibt es einen Bereich in deinem Körper, in dem du ständig Unwohlsein spürst. Sagen wir mal es gibt einen. Dann ist der erste Schritt herauszufinden, welches Körperteil es ist und wenn möglich auch das Problem zu beschreiben. Ist es dein Fuß, dein Knie, deine Hüfte? Ist es ein dumpfer oder ein stechender Schmerz, wann fängt es an und wie lange nach deinem Spaziergang wird es besser? Kannst du den Bereich so beeinflussen, dass der Eindruck wieder herbeigeführt wird? Wenn ja, dann versuche den Körperteil so zu bewegen, dass nicht noch mehr Unwohlsein entsteht. Gibt es eine Veränderung in deiner Gehbewegung, die den Schmerz verschwinden lässt? Spiele damit herum. Wenn du es versuchst, dann entdeckst du vielleicht, wie du selber dein bester Arzt wirst.

Du kannst deinen Körper niemals gut genug kennen. Er ist ein tolles, wunderbares, mysteriöses Ding und in dem du den Aufwand betreibst zu verstehen, was er dir sagen möchte, kannst du ihn als Wegweiser benutzen, um zu lernen dich gesund und voller Energie durch dein Leben zu bewegen.

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